„Nach fast 50 Jahren zurück“ betitelte das Meininger Tageblatt am 22.12.2006 einen Beitrag über die Ausstellungseröffnung der Funde eines Mastodons bei Kaltensundheim im Jahr 1957.
Der Fund
Begonnen hatte alles im Dezember 1957 beim Bau einer Wasserleitung am Lotteweg zwischen der Lottenmühle und Kaltensundheim. August Fleischmann fand bei den Erdarbeiten merkwürdige Steine, die sich wenig später im Meininger Museum durch Gottfried Böhme als Zähne eines Mastodons (Urelefanten) aus dem Erdzeitalter des Oberpliozän (vor ca. 2,6 Mio. Jahren) herausstellten. Auch gewaltige Knochen kamen noch zum Vorschein. Daher schloss sich eine systematische Grabung im Frühjahr 1958 an, die ein fast vollständiges Skelett der Mastodon-Art Mammut borsoni und daneben das vollständige Skelett eines Hirsches zu Tage brachte. Die Bearbeitung und die Konservierung der Funde erfolgten im Museum in Meiningen.
Weitere Ausgrabungen fanden 1962-1966 statt. Sie legten ein zweites Hirsch-Skelett, das Knochengerüst eines hasenartigen Tieres sowie Reste von Amphibien und Fischen frei.
Die Urlandschaft und das Geschehen
Vor 2,6 Mio. Jahren befanden sich im heutigen Tal der Lotte mehrere wassergefüllte Erdfälle, die durch Auslaugung von Gipsgestein im Untergrund (Oberer Bundsandstein) entstanden waren. Tiere, die zum Trinken an das Ufer gekommen waren, rutschten offensichtlich in den See, ertranken und wurden im Schlamm konserviert. Durch diese günstigen Erhaltungsbedingungen in dem ehemaligen Erdfallsee konnten vollständige Skelette der Mastodonart Mammut (Zygolophodon) borsoni, von Hirschen, dem Hasen-Verwandten Hypolagus sowie von Fröschen, Kröten und Fischen geborgen werden.
Im Laufe der Zeit verlandeten die Tümpel und angeschwemmtes Erdreich überdeckte das Gebiet.
Neue Ausgrabungen und der Verbleib der Funde
Die Ausgrabungen 1976-1978 erbrachten ein zweites, vollständiges Mastodon-Skelett sowie weitere Reste von anderen Mastodonten. Diese Funde befinden sich im Senckenberg-Institut in Weimar; die anderen Knochen und Zähne sind im NaturHistorischen Museum in Schleusingen ausgestellt.
Die Ausstellung
Die Initiative für die Mastodonausstellung im Dorfmuseum von Kaltensundheim hatte der ortsansässige Karl-Friedrich Abe. Dank seiner guten Kontakte zum damaligen Direktor des NaturHistorischen Museums Schloss Bertholdsburg in Schleusingen, Ralf Werneburg, und mit Finanzmitteln des Thüringer Umweltministeriums gelang es Karl-Friedrich Abe, Abgüsse von den Originalknochen, von Backenzähnen sowie vom Unterkiefer des Mastodons zu erhalten und damit die Präsentation zu begründen.

Am 20. Dezember 2006, fast 50 Jahre nach der Entdeckung, wurde dem Ortsbürgermeister Edgar Gottbehüt im Dorfmuseum von Kaltensundheim von Dr. Gottfried Böhme (dem Ausgräber der Knochen 1957/58), dem thüringischen Verwaltungsstellenleiter für das UNESCO-Biosphärenreservats, Karl-Friedrich Abe und dem Umweltstaatssekretär Prof. Dr. Christian Juckenack (vlnr) der Abguss des Oberschenkelknochens von Zygolophodon borsoni übergeben und damit die Ausstellung eröffnet.
Ausstellungsstücke
Gezeigt werden neben den abgeformten Originalknochen des Mastodons verkleinerte Modelle dieser Tiere, ein Modell und eine Steinplatte mit den Trittsiegeln des Handtiers (Chirotherium), ein dreidimensionales geologisches Schauobjekt der Rhönlandschaft, Schautafeln von der Grabung und Bergung der Funde und ein großes Wandbild, welches das Aussehen der Landschaft zur damaligen Zeit nachempfindet.
Danksagung
Ein besonderer Dank gilt allen Unterstützern und Mitgestaltern der Ausstellung, insbesondere: Dr. G. Böhme (✝), K.-F. Abe, Prof. Dr. Chr. Juckenack, H. Wöllner, M. H. Kroniger, R. Werner (✝), R. Braun (✝), L. Herbarth, R. Friedrich und der Biosphärenreservats-Verwaltung
Karl-Friedrich Abe, April 2026
